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Historischer Erinnerungsort nun dauerhaft zugänglich:
Feierliche Einweihung des "Bodenlosen Brunnens" in Zuffenhausen
Am Dienstag, 14. April 2026, wurde der historische „Bodenlose Brunnen“ in der Künzelsauerstraße 2 in Stuttgart-Zuffenhausen feierlich eingeweiht. Zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Veranstaltung teil und würdigten gemeinsam die Wiederentdeckung und Sichtbarmachung eines bedeutenden Zeugnisses der örtlichen Geschichte.
Der „Bodenlose Brunnen“ blickt auf eine rund 500-jährige Geschichte zurück. Zur Zeit seiner Entstehung galt er als außergewöhnlich tief – so tief, dass man ihn im Volksmund als „bodenlos“ bezeichnete. Brunnen dieser Art waren über Jahrhunderte hinweg zentrale Bestandteile der örtlichen Wasserversorgung. Sie dienten nicht nur der Trinkwassergewinnung, sondern versorgten Haushalte, landwirtschaftliche Betriebe und Handwerksstätten zuverlässig mit Wasser. In Zeiten ohne zentrale Wasserleitungen waren solche Ziehbrunnen lebensnotwendig und bildeten das Herzstück vieler Siedlungen.
Historische Quellen belegen, dass die Wasserversorgung früher mit großem Aufwand verbunden war: Das Wasser wurde mit Eimern über Seil- und Windenkonstruktionen gefördert. Die Bauweise mit stabilen Eckpfosten und Holzdielen sorgte für die notwendige Sicherung des Brunnenschachts. Bei Ausgrabungsarbeiten im März 2023 konnten bedeutende Überreste dieser Konstruktion freigelegt werden. Dabei wurden unter anderem Eckpfostenreste mit Nuten für Holzdielen geborgen, fachgerecht dokumentiert und konserviert. Die Fundstücke sind heute in der Zehntscheuer ausgestellt und geben eindrucksvoll Einblick in die historische Technik der Wasserversorgung.
Die wissenschaftliche Begleitung der Ausgrabungen sowie die umfassende historische Erforschung wurden maßgeblich vom Heimatgeschichtlichen Arbeitskreis übernommen. Für dieses herausragende ehrenamtliche Engagement gilt ein besonderer Dank.
Am ursprünglichen Standort des Brunnens erinnert nun ein hochwertig gestaltetes Steinpult mit beschrifteter Messingtafel und zusätzlicher Informationstafel an die Geschichte des „Bodenlosen Brunnens“ und seine Bedeutung für die frühere Wasserversorgung. Der Erinnerungsort fügt sich harmonisch in das Stadtbild ein und macht Geschichte im öffentlichen Raum sichtbar und erlebbar.
Die Errichtung dieses dauerhaften Erinnerungsortes wurde durch die großzügige Unterstützung der SWSG ermöglicht. Für die Förderung und das Engagement zur Bewahrung lokaler Geschichte sprechen wir unseren herzlichen Dank aus.
Das Steinpult ist jederzeit frei zugänglich und kann dauerhaft besichtigt werden. Alle Interessierten sind eingeladen, sich vor Ort über die Geschichte des Brunnens und die Entwicklung der Wasserversorgung in früheren Jahrhunderten zu informieren.
Wer sich für Heimatforschung interessiert oder im Heimatgeschichtlichen Arbeitskreis mitwirken möchte, kann sich gerne im Rathaus melden. Neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind jederzeit willkommen.
Foto oben (von l. nach r.):
Rita Schneider, Britta Rempis, Bezirksvorsteher Saliou Gueye, Herbert Schneider, Winfried Schweikart, Elisabeth Rau (Mitglieder im Heimatgeschichtlichen Arbeitskreis Zuffenhausen).
