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Reihe: "Dorfleben in Zuffenhausen um 1700 – ein Schäfer aus Antwerpen auf Wurzelsuche"

Teile 2 + 3: "Auf dem Weg zum Markt in der Residenzstadt Stuttgart" und "Vorfall im Lamm" am Pfingstsamstag 1703...

| ZuZu Redaktion | Aktuelles

Per Schäfer wohnt im belgischen Antwerpen, seine Vorfahren kommen aus Zuffenhausen. Der Historiker hat sich auf eine ungewöhnliche Spurensuche in der Heimat seiner Vorfahren gemacht, auf der wir ihn begleiten und seine Artikel in unserer Reihe "Dorfleben in Zuffenhausen um 1700 – ein Schäfer aus Antwerpen auf Wurzelsuche" hier im Portal fortlaufend veröffentlichen werden.

Ausgehend von Kirchenbüchern und Protokollen des Kirchenkonvents rekonstruiert er das Leben im Dorf Zuffenhausen beginnend in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg.
Die Reihe verbindet Recherche mit lebendiger Darstellung und Familiengeschichte. Sie führt mit den folgenden Serienteilen durch den Flecken (die nicht zwingend chronologisch sein müssen):

  • Zuffenhausen im Frühling 1703
  • Der Wirt des Lambs
  • Die Nachfahren des Wirts
  • Auf dem Weg zum Stuttgarter Markt
  • Der Vorfall im Lamm
  • Die Schäfers und die Wirtshäuser
  • Familiengeschichte über zwölf Generationen

Inspiration und vertiefende Einblicke liefert die engagierte Arbeit von "Alt-Zuffenhausen" sowohl auf der Website als auch in den sozialen Medien.

 

Teil 2 & Teil 3:

Auf dem Weg zum Stuttgarter Markt am Pfingstsamstag 1703

Zuffenhausen, Pfingstsamstag, 26. Mai 1703.
Die Glocke der Johanneskirche schlägt fünf Uhr. Für viele Einwohner ist das der Moment, um sich auf den Weg zum Samstagsmarkt in Stuttgart zu machen. Der Markt ist ein wichtiger Treffpunkt für Bauern, Handwerker und Kaufleute aus der Umgebung. Hier werden nicht nur Waren verkauft, sondern auch Neuigkeiten ausgetauscht. Vor Feiertagen ist der Markt besonders belebt. Kurz nach fünf ziehen die Marktleute aus Zazenhausen und Kornwestheim über die Hauptstraße an Caspar Schäfers Gaststätte vorbei. Die Zuffenhäuser schließen sich ihnen an. Mit Leiterwagen, Rucksack und Butten geht es über Feuerbach, den Pragsattel hinunter zur Residenzstadt und durch das Nordtor zum Markt. Für die Marktgänger ist es ratsam, gemeinsam zu reisen. Noch immer kommt es zu Überfällen durch Herumstreuner, besonders auf dem Rückweg, wenn die Einnahmen mitgeführt werden. Da die Erntezeit noch nicht begonnen hat, bringen die Zuffenhäuser vor allem Eier, lebende Hühner und Gänse, Kräuter, Wolle, Tuch, Kerzen aus Bienenwachs, Würste, Brot und Wein mit. Der Weg dorthin zeigt ein ernüchterndes Bild. Einige Felder und Weinberge liegen noch brach. Die früheren Besitzer sind verschollen oder verstorben, die Eigentumsverhältnisse ungeklärt. Deshalb ist Zuffenhausen offen für neue Siedler. Unter anderem kommen Familien aus der Schweiz. Auch die Wörwags erreichen „von der Alb ra“ das Dorf.

 

Der Vorfall im Lamm am Pfingstsamstag 1703

Die Geschäfte auf dem Stuttgarter Markt sind gut gelaufen. Am späten Nachmittag kehrt der Tross nach Zuffenhausen zurück. Bevor die Kornwestheimer und Zazenhäuser weiterziehen, kehren sie bei Caspar Schäfer im Lamm ein. Die Stimmung ist gelöst. Der Wirt profitiert davon. Im Ausschank sind selbstgebrautes Bier, Wein, Most und Schnaps. Kurz vor sechs kommt es zum Zwischenfall. Leonhardt, Caspars Bruder, betritt die Stube. Er kommt gerade vom Pfarrer, offenbar von der Beichte, und wirkt aufgebracht. Es ist anzunehmen, dass der Pfarrer ihn ermahnt hat, seine Frau mit mehr Respekt zu behandeln. Ein Kornwestheimer spricht ihn auf seine Laune an, und das genügt. Leonhardt verliert die Fassung. Ein Streit beginnt. Die Anwesenden versuchen, ihn zurückzuhalten, was schließlich gelingt. Caspar, sein Bruder, spricht beruhigend auf ihn ein, zwei Gäste halten ihn fest. Leonhardt ist außer sich, flucht und schwört „Donner, Blitz und Hagelstrahl“. Danach verlässt er das Lamm und geht nach Hause zu seiner eigenen Gaststätte, dem Hirsch. Der Vorfall bleibt nicht ohne Folgen. Fluchen gilt als Gotteslästerung, und der Kirchenkonvent verhängt eine strenge Strafe.


Weitere Teile folgen in unregelmäßigen Abständen.

 

Über den Verfasser:
Per-Schaefer.jpgPer Schäfer, der Belgier aus Antwerpen, auf den Spuren seiner Vorfahren hier an der Schäferstraße in Zuffenhausen.

Per Schäfer ist Historiker aus Belgien. Seine Mutter ist Flämin, doch seine Wurzeln reichen bis nach Zuffenhausen. Sein Großvater kam noch in einer Hausgeburt in Zuffenhausen zur Welt, sein Vater später in Bad-Cannstatt. Der Liebe und dem Beruf folgend führte der Weg seiner Eltern über Duisburg schließlich nach Antwerpen, wo Per seit seinem dritten Lebensjahr zuhause ist. Auch wenn sein Nachname in Belgien eher ungewöhnlich klingt, trägt Per ihn mit Stolz. Er verbindet ihn mit den Lebenswegen seiner Vorfahren aus Zuffenhausen.

 

 


Abbildung oben:
Die (damals schon alte) Zuffenhäuser Johanneskirche war für die Bewohner des Fleckens im beginnenden 18. Jahrhundert der frühmorgendliche Sammel- und Startpunkt für ihren Allsamstäglichen Weg zum Stuttgarter Markt.

(Foto: Zuffenhausen-Aktuell.de)

 

 

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