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Aktuelles

Reihe: "Dorfleben in Zuffenhausen um 1700 – ein Schäfer aus Antwerpen auf Wurzelsuche"

Teile 6 & 7: "Das Klappern der alten Mühle" & "Wem gehört der Feuerbach?": Hitzegeschichten aus Zuffenhausen vor 300 Jahren

| ZuZu Redaktion | Aktuelles

Per Schäfer wohnt im belgischen Antwerpen, seine Vorfahren kommen aus Zuffenhausen. Der Historiker hat sich auf eine ungewöhnliche Spurensuche in der Heimat seiner Vorfahren gemacht, auf der wir ihn begleiten und seine Artikel in unserer Reihe "Dorfleben in Zuffenhausen um 1700 – ein Schäfer aus Antwerpen auf Wurzelsuche" hier im Portal fortlaufend veröffentlichen werden.

Ausgehend von Kirchenbüchern und Protokollen des Kirchenkonvents rekonstruiert er das Leben im Dorf Zuffenhausen beginnend in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg.
Die Reihe verbindet Recherche mit lebendiger Darstellung und Familiengeschichte.

Inspiration und vertiefende Einblicke liefert die engagierte Arbeit von "Alt-Zuffenhausen" sowohl auf der Website als auch in den sozialen Medien.

 

Teil 6 & Teil 7: 


Das Klappern der alten Mühle

Im Juni 1724 litt Zuffenhausen unter anhaltender Trockenheit. Die Wiesen hatten ihren ersten Schnitt bereits hinter sich, doch statt nachzuwachsen, waren viele Flächen ausgedörrt. Das Heu wurde jedoch dringend als Futter und Vorrat für den Winter für das Vieh benötigt.
Zu den betroffenen Flächen gehörten die „Waschhäuslewiesen“ am Rand des Dorfes. Mehrere Parzellen waren im Besitz der Familie Schäfer. Zwei davon gehörten den Brüdern Hans Jörg, dem Adlerwirt, und Michael, einem Bauern. Die beiden waren Enkel des Michael Schäfer (siehe Serien 1, 3 und 4).
Als Michael an einem Samstagabend den Zustand seiner Wiesen begutachtete, entschloss er sich zu handeln. Er schickte seinen Sohn Konrad sowie dessen Vetter Johannes, den Sohn des Adlerwirts, los, um ein Wasserbrett zu setzen. Mit dieser Vorrichtung sollte Wasser aus dem Feuerbach auf die Wiesen geleitet werden.
Die beiden jungen Männer machten sich auf den Weg. Schon bald war leise das Klappern der alten Mühle zu hören. Nachdem sie das Wasserbrett eingesetzt hatten, staute sich das Wasser und floss in die Bewässerungsgräben. Für die Mühle hatte dies jedoch Folgen: Das Mühlrad drehte sich immer langsamer, bis es nahezu stillstand.
Daraufhin erschien der Müller Martin Binder. Er verlangte, das Wasserbrett wieder zu entfernen. Der Wasserstand des Baches sei ohnehin niedrig, und ohne ausreichenden Zufluss könne er kaum noch mahlen. Konrad und Johannes weigerten sich jedoch. Aus ihrer Sicht war das Wässern der Wiesen ebenso notwendig wie der Betrieb der Mühle.
Aus dem Streit entwickelte sich rasch eine handfeste Auseinandersetzung. Schließlich stieß einer der beiden Vettern den Müller in den Feuerbach. Als die Müllerin eingriff, wurde auch sie beschimpft und bedroht. Danach verließen die beiden den Ort des Geschehens und kehrten zum Gasthaus Adler zurück. Dort berichtete Konrad seinem Onkel von dem Vorfall, während Hans Jörg den jungen Männern noch Wein ausschenkte.
Doch die Angelegenheit war damit nicht beendet. Martin Binder erstattete Anzeige gegen die beiden Vettern. Wenig später mussten sich Konrad Schäfer, Johannes Schäfer, der Müller und die Müllerin gemeinsam vor dem Kirchenkonvent verantworten. Dort wurde der Streit um das Wasser und die Auseinandersetzung an der Mühle untersucht.

(Quelle: https://alt-zuffenhausen.wixsite.com/alt-zuffenhausen/muehle)


Wem gehört der Feuerbach?

Nach dem Streit an der Mühle müssen sich Johannes und Konrad Schäfer vor dem Kirchenkonvent verantworten. Für Johannes ist es das erste Mal. Sein Vetter Konrad kennt die kirchliche Gerichtsbarkeit bereits: 1721 wurde er zusammen mit seinem Vater Michael wegen ungebührlichen Verhaltens im Gottesdienst ermahnt. Sie waren sauer, da ihnen Plätze auf der neuen Empore der Johanneskirche zugewiesen wurden.
Im Pfarrhaus treffen die beiden auf den Müller Martin Binder und dessen Frau. Den Vorsitz führen Pfarrer Clemens, Schultheiß Konrad Schäfer sowie mehrere Konventsrichter. Der Schultheiß ist der Onkel der beiden. Die Tochter des Pfarrers wird später einen Vetter bzw. Großneffen der Schäfers heiraten. Der Vorfall am Feuerbach wird aufgenommen und die Beteiligten angehört.
Dabei zeigt sich, dass die körperliche Auseinandersetzung für den Kirchenkonvent nicht im Mittelpunkt steht. Größeres Gewicht haben die Schimpfworte und Verwünschungen, die während des Streits gefallen sein sollen. Konrad wird vorgeworfen, dem Müller zugerufen zu haben: „Der Teufel soll dich holen.“ Johannes soll gesagt haben: „Der Blitz soll dein Herz treffen und der Donner dich erschlagen.“ Aber auch gegen den Müller werden Vorwürfe erhoben. Er soll seine Gegner als „Strahl-“ und „Sacramentshunde“ beschimpft haben.
Johannes gesteht die Vorwürfe und wird milder bestraft. Konrad Schäfer und Martin Binder müssen sich zusätzlich vor dem Stadtvogt in Ludwigsburg verantworten.
Der Streit belastet das Verhältnis der Familien jedoch nicht dauerhaft. Einige Jahre später heiratet Anna Magdalena Schäfer, eine Schwester Konrads, den Müllerssohn Bernhard Binder. Die Ehe bleibt kinderlos, da Anna Magdalena und ihr Kind bei der Geburt sterben.
Der Fall zeigt, wie wichtig das Wasser des Feuerbachs für die Menschen war. Für die Bauern sicherte es die Heuernte, für den Müller den Betrieb seiner Mühle. Entsprechend schnell konnten Konflikte um die Nutzung des Wassers entstehen.

 


Weitere Teile folgen in unregelmäßigen Abständen.

 

Über den Verfasser:
Per-Schaefer.jpgPer Schäfer, der Belgier aus Antwerpen, auf den Spuren seiner Vorfahren hier an der Schäferstraße in Zuffenhausen.

Per Schäfer ist Historiker aus Belgien. Seine Mutter ist Flämin, doch seine Wurzeln reichen bis nach Zuffenhausen. Sein Großvater kam noch in einer Hausgeburt in Zuffenhausen zur Welt, sein Vater später in Bad-Cannstatt. Der Liebe und dem Beruf folgend führte der Weg seiner Eltern über Duisburg schließlich nach Antwerpen, wo Per seit seinem dritten Lebensjahr zuhause ist. Auch wenn sein Nachname in Belgien eher ungewöhnlich klingt, trägt Per ihn mit Stolz. Er verbindet ihn mit den Lebenswegen seiner Vorfahren aus Zuffenhausen.

 

 


Abbildung oben:
Foto der Alten Zuffenhäuser Stadtmühle. Das heutige Bauwerk stammt von 1772, Teile davon jedoch von noch viel früher. Erbaut wurde sie ursprünglich im 13. Jahrhundert.
Quelle: http://www.stuttgart-stadtgeschichte.net/pdf/Rundgang-Zuffenhausen.pdf

 

 

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