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Reihe: "Dorfleben in Zuffenhausen um 1700 – ein Schäfer aus Antwerpen auf Wurzelsuche"
Teil 10: "Johannes Schäfer – Ein kurzes Leben" – Geschichte(n) Zuffenhausens anhand seiner Wirtshäuser
Per Schäfer wohnt im belgischen Antwerpen, seine Vorfahren kommen aus Zuffenhausen. Der Historiker hat sich auf eine ungewöhnliche Spurensuche in der Heimat seiner Vorfahren gemacht, auf der wir ihn begleiten und seine Artikel in unserer Reihe "Dorfleben in Zuffenhausen um 1700 – ein Schäfer aus Antwerpen auf Wurzelsuche" hier im Portal fortlaufend veröffentlichen werden.
Ausgehend von Kirchenbüchern und Protokollen des Kirchenkonvents rekonstruiert er das Leben im Dorf Zuffenhausen beginnend in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg.
Die Reihe verbindet Recherche mit lebendiger Darstellung und Familiengeschichte.
Inspiration und vertiefende Einblicke liefert die engagierte Arbeit von "Alt-Zuffenhausen" sowohl auf der Website als auch in den sozialen Medien.
Teil 10:
Johannes Schäfer – Ein kurzes Leben
Johannes Schäfer wird im Juni 1705 geboren. Da die Hebamme das Kind als gesund und kräftig einschätzt, ist keine Nottaufe erforderlich. Am Sonntag darauf bringt ihn sein Vater zur Taufe in die Kirche. Pfarrer Schlotterbeck nimmt die Zeremonie vor. Die Mutter, Anna Katharina Schäfer, geborene Männer und Tochter des amtierenden Bürgermeisters, bleibt nach der Geburt noch zu Hause. Als Gevattern stehen Konrad und Johann Kunberger mit ihren Ehefrauen am Taufstein. Das wären die heutigen Paten.
Johannes wächst in geordneten Verhältnissen auf. Gemeinsam mit seinen Vettern und Basen (weibliche Verwandte, insbesondere Cousinen) verbringt er viel Zeit bei den zahlreichen Verwandten im Dorf. Schon früh hilft er im Gasthaus Adler mit, besonders wenn viele Fuhrleute einkehren. Der Adler liegt an der Straße zwischen Stuttgart und Ludwigsburg. Einmal bleibt er deshalb sogar der Schule fern. Wie viele junge Männer seiner Zeit spielt er gelegentlich Karten, würfelt oder kegelt. Das ist zwar nicht erlaubt, hat aber eine gewisse Tradition in der Verwandtschaft. Bei Knechten und Mägden gilt er als freundlich und beliebt.
Später erlernt Johannes das Metzgerhandwerk. Sein Vater sieht in ihm den künftigen Nachfolger im Adler und setzt große Hoffnungen auf seinen Sohn.
Doch dazu kommt es nicht. Zwei Jahre nach dem Streit am Feuerbach (etwa 1726, siehe auch Teile 6 & 7 - "Das Klappern der alten Mühle" und "Wem gehört der Feuerbach" - die Red.) erkrankt Johannes schwer. Seine Mutter bringt ihn zur Behandlung nach Cannstatt zu einem Feldscherer, doch Johannes stirbt.
Der Verlust trifft die Familie schwer. Hans Jörg macht seiner Frau Vorwürfe, wegen der Inkompetenz des Feldscherers. Hinzu kommt ein zunehmender Alkoholkonsum beider. Später wird vor dem Kirchenkonvent berichtet, Anna Katharina habe ihren Mann und dessen „gesamte Verwandtschaft“ verflucht.
Der frühe Tod von Johannes hat auch Folgen für die Geschichte des Gasthauses Adler. Da kein männlicher Nachfolger vorhanden ist, geht der Besitz in den folgenden Generationen über die Töchter der Familie weiter. Der Adler bleibt noch fast 150 Jahre im Besitz der Nachkommen der Schäfers. Als Wirte treten dabei jeweils die Ehemänner auf.

(Foto: Gasthaus Adler, etwa 1890, entnommen von https://alt-zuffenhausen.wixsite.com)
Über den Verfasser:
Per Schäfer, der Belgier aus Antwerpen, auf den Spuren seiner Vorfahren hier an der Schäferstraße in Zuffenhausen.
Per Schäfer ist Historiker aus Belgien. Seine Mutter ist Flämin, doch seine Wurzeln reichen bis nach Zuffenhausen. Sein Großvater kam noch in einer Hausgeburt in Zuffenhausen zur Welt, sein Vater später in Bad-Cannstatt. Der Liebe und dem Beruf folgend führte der Weg seiner Eltern über Duisburg schließlich nach Antwerpen, wo Per seit seinem dritten Lebensjahr zuhause ist. Auch wenn sein Nachname in Belgien eher ungewöhnlich klingt, trägt Per ihn mit Stolz. Er verbindet ihn mit den Lebenswegen seiner Vorfahren aus Zuffenhausen.
Abbildung oben:
Ansicht von Zuffenhausen aus dem Jahr 1682 aus den Forstlagerbüchern von Andreas Kieser. (Landesarchiv Baden-Württemberg)
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